Segelboot am Meer in Kroatien

Wir wollen ein Boot kaufen! – Begleite uns bei unserer Bootssuche [1/3]

Eigentlich hat unsere Reise schon im Sommer 2021 begonnen. Also kurz nachdem uns die Idee kam, auf ein Segelboot zu ziehen. Wir haben zwei Wochen in Kroatien als Mitsegler verbracht und in Murter unsere erste Segelyacht besichtigt. Das Boot hat allerdings überhaupt nicht unseren Vorstellungen entsprochen. Wir fuhren also wieder ohne Boot, aber mit dem Wissen, dass das Leben am Boot genau das Richtige für uns ist, zurück nach Österreich.

Segelboot am Meer in Kroatien

Seit Covid ist die Nachfrage nach Booten enorm gestiegen. Das heißt, wenn man ein gutes Boot kaufen will, muss man schnell reagieren. Denn gute Boote sind meist wenige Tage, nachdem sie auf den Markt kommen, weg.

Wieder zu Hause angekommen entscheiden wir uns dazu, uns Unterstützung bei unserer Bootssuche zu holen. Denn alleine fühlen wir uns nicht in der Lage, um guten Gewissens ein Boot zu kaufen. Und nach unserer Erfahrung wissen wir nun auch, dass Boote nicht unbedingt dem entsprechen, wie sie in ihren Inseraten beschrieben werden – um es freundlich auszudrücken.

Über Youtube sind wir schon vor mehreren Monaten auf die Bootsprofis aufmerksam geworden. In ihren Videos lernten wir schon einiges darüber, worauf beim Bootskauf unbedingt zu achten ist. Und nun werden sie uns bei unserem Bootskauf unterstützen. Nach unserem ersten Gespräch mit Hendrik wissen wir genau, nach welchem Bootstyp und welchen Namen wir weiter Ausschau halten können.

Das sind die Ansprüche an unser Segelboot:

  • Langkiel
  • Rumpfmaterial aus Stahl oder Aluminium
  • etwa 35 bis 40 Fuß lang
  • kein bzw. nicht zu viel elektronischer oder hydraulischer Schnickschnack

Nahezu jeden Tag durchforsten wir den Bootsmarkt im Internet nach passenden Möglichkeiten.

4. November 2021:

Bei einem Spaziergang Anfang November bekommen wir einen Anruf der Bootsprofis. Eine Koopmans 37 aus Aluminium in den Niederlanden passt zu unseren Vorstellungen. Aber, es gibt anscheinend auch andere Interessenten. Das heißt, wenn wir sie wollen, müssen wir zeitnah ins Handeln kommen.

Wir sehen uns das Inserat direkt zu Hause noch einige Male in Ruhe an. Weil das Boot wirklich so gut zu unseren Vorstellungen passt, entscheiden wir uns, den nächstmöglichen Zug nach Amsterdam zu nehmen. Wir packen das Wichtigste ein und hoffen sehr, in der Eile nichts vergessen zu haben.

Anita’s Papa fährt uns zum Bahnhof. Erst am Bahnsteig buchen wir unser Zugticket über’s Handy. Wir reservieren uns zu zweit ein 6er-Abteil, denn ein Platz im Schlafwagen ist uns zu teuer.

Etwa 4 Stunden nach dem Anruf sitzen wir also tatsächlich im Zug in Richtung Niederlande. Während der Fahrt können wir endlich wieder ein bisschen entspannen. Nur Schlaf bekommen wir nicht besonders viel. Die Sitze in unserem Abteil legen wir so gut es geht um, um wenigstens ein paar Stunden Schlaf in ungemütlicher Haltung zu bekommen. Zum Glück fährt der Zug von St. Pölten bis Amsterdam durch, so müssen wir nicht nachts umsteigen.

5. November 2021:

Direkt von Amsterdam fahren wir mit dem Bus weiter nach Streefkerk. Mit jedem Kilometer den wir näher an das Boot kommen steigt auch unsere Aufregung. Angekommen im Hafen von Streefkerk sehen wir schon von weitem das Boot, das wir besichtigen wollen. Zum Glück sprechen die Eigner etwas Deutsch, so dass wir uns gut verständigen und sie uns mehr über ihr Boot erzählen können. Wir rufen Domi von den Bootsprofis an und nehmen ihn per Video mit. Er sagt uns, worauf wir achten und was wir noch fragen sollen.

Nach wenigen Minuten am Boot beginnt es zu regnen. Bevor wir rein gehen und es von innen weiterbesichtigen zeigt sich am Himmel ein wunderschöner Regenbogen in ganz kräftigen Farben.

Regenbogen über den Hafen von Streefkerk

Wir fühlen uns sehr wohl, denn das Boot ist richtig gemütlich eingerichtet. Und es hat sogar einen Decksalon mit großen Fenstern, was Vor- und Nachteil zugleich ist. Durch ihn ist es im Boot schön hell. In wärmeren Gebieten heizt sich dadurch das Boot aber auch sehr schnell auf und in Extremsituationen, in die wir natürlich nicht beabsichtigen zu gelangen, könnten die Fenster eine Schwachstelle sein.

Das Boot ist mit nur sehr wenig Elektrik ausgestattet. Was einerseits gut ist, weil auch nicht viel kaputt werden kann. Aber es verfügt auch über kein Sonar, was wichtig ist, um zu wissen, wie viel Wasser sich noch unter dem Kiel befindet.

Ein paar weitere Mängel entdecken wir auch noch:

  • einige Stellen, an denen der Lack abblättert – Korrosion
  • das stehende Gut (Tauwerk zur Befestigung des Mastes) muss getauscht werden
  • fehlender Fäkalientank, der in vielen Ländern vorgeschrieben ist

Nach der Besichtigung setzen wir uns in ein Kaffeehaus. Eigentlich wollen wir etwas essen, aber auch nach Nachfrage haben sie leider keine veganen Speisen im Angebot. Also trinken wir nur eine Tasse Tee und sprechen in Ruhe über das Boot und nutzen das WLAN, um uns eine Unterkunft für die heutige Nacht zu suchen.

Gar nicht so einfach, denn hier in der Nähe gibt es kaum Möglichkeiten. Wir finden eine Übernachtungsmöglichkeit, diese ist aber 2 Stunden Busfahrt von uns entfernt. Also entscheiden wir uns zu Fuß zu gehen, dann sind wir nämlich schon in einer Stunde dort.

Bepackt mit unseren Reisetaschen gehen wir wunderschöne Feldwege entlang und sehen auf dem Weg einige historische Windmühlen und einen unserer schönsten Sonnenuntergänge. Zu unserem Glück ist es auch schön warm. Wärmer als in Österreich, womit wir gar nicht gerechnet haben.

Sonnenuntergang

Nach 5,6 Kilometer Fußmarsch kommen wir an unserem Ziel an. Einem Bed & Breakfast mit Stellplätzen für Camper.

Wir überlegen noch lange, was wir nun tun. Sollen wir ein Angebot abgeben? Wollen wir wirklich in diesem Boot leben? Was gehört noch alles gemacht, bevor wir damit losfahren können? … Um 22 Uhr klären wir noch einige Fragen mit Domi von den Bootsprofis ab. Und gegen 23 Uhr schickt Roman tatsächlich unser Gebot für dieses Boot ab.

Obwohl die Spannung so groß ist, schlafen wir schon kurz danach ein. Denn die Nacht zuvor haben wir kaum geschlafen.

6. November 2021:

Am nächsten Tag sehen wir, welchen traumhaften Ausblick wir haben. Wir genehmigen uns ein Frühstück in der Pension und fragen, ob wir noch eine weitere Nacht hier bleiben können. Leider sind aber bereits alle Zimmer belegt. Also packen wir unsere Sachen und ziehen weiter.

Nach etwa einem Kilometer werden wir von einer Autofahrerin nach Sliedrecht, zum nächsten Bahnhof, mitgenommen. Dort setzen wir uns in ein Kaffeehaus, um ein bisschen am Laptop zu arbeiten und so die Zeit totzuschlagen, bis wir vom Makler, über den der Verkauf abgewickelt wird, Bescheid bekommen. Das könnte aber noch eine Weile dauern, weil sich der Eigner über das Wochenende noch überlegen wolle, wer nun den Zuschlag bekommen soll.

Wir entscheiden uns, weiter in den Norden nach Noordwijk zu fahren.

7. November 2021:

Heute ist Roman’s Geburtstag. Wir machen einen langen Spaziergang am Strand, setzen uns mal wieder in ein Kaffeehaus und bestellen uns am Abend eine leckere Pizza.

Und dann bekommen wir Bescheid, dass das Boot, für das wir ein paar Tage zuvor ein Angebot abgegeben haben, an einen anderen Interessenten verkauft wurde. Die Enttäuschung ist im ersten Augenblick natürlich sehr groß. Also geht die Suche weiter.

Wir suchen nach neuen Gebrauchtbooten und sehen uns nochmal Boote an, die wir uns zuvor abgespeichert haben. Tatsächlich finden wir noch zwei Boote, die von den Beschreibungen her interessant für uns sind.

8. November 2021:

Nach einem Frühstück im Hotel machen wir uns auf den Weg nach Lelystad, wo eines von ihnen liegt. Am Bahnhof warten wir auf den Makler, der uns mit dem Auto abholen wird und sind mal wieder ganz schön aufgeregt. Gemeinsam mit dem Makler sehen wir uns das Boot an. Eine Bekebrede aus Stahl aus dem Jahr 1997.

Von außen macht sie schon einmal einen guten Eindruck auf uns. Klar, sie hat einige Roststellen an Deck, die wir behandeln müssten, aber nichts, was nicht machbar wäre. Im Innenraum gibt es einige Dinge, die uns nicht besonders gefallen, wie zum Beispiel ein Heizrohr, das durch die Nasszelle, also das „Badezimmer“ verläuft. Später sollte sich noch herausstellen, dass es Probleme gibt, die wir bei unserer Besichtigung nicht entdeckt hatten.

Nach unserer Besichtigung beziehen wir unser Zimmer und gehen Richtung Lelystad, um ein paar Lebensmittel zu kaufen. Natürlich geht’s in unseren Gesprächen den restlichen Tag um nichts anderes, als um die Besichtigung von gerade eben.

9. November 2021:

Heute steht keine Besichtigung am Plan. Trotzdem machen wir uns auf zu einem anderen Hafen in Lelystad, um uns dort ein bisschen umzusehen. Wir finden einen Steg im letzten Eck, in dem viele zum Verkauf stehende Yachten liegen. Wir recherchieren im Internet, um Bilder von Innen zu sehen. Bei einer, die Interessant für uns ist kontaktieren wir den Makler. Leider um zu erfahren, dass sie bereits verkauft ist.

Kein erfolgreicher Tag für uns. Aber schön war er trotzdem.

10. November 2021:

Heute besichtigen wir zwei Boote gemeinsam mit Domi von den Bootsprofis. Am Vormittag holen wir unseren Leihwagen ab und fahren zum Hafen in Lelystad, wo Domi sich im ersten Boot schon umgesehen hat und auf uns wartet. Und zeigt uns gleich einmal ein paar Dinge, die überhaupt nicht in Ordnung sind. Unter anderem war an einer Stelle Regenwasser ins Boot gelangt. Man sieht, dass die Innenverkleidung dort schon komplett zerstört ist. Bei unserer ersten Besichtigung haben wir das leider nicht gesehen, weil der Makler an genau dieser Stelle gesessen hatte.

Zweites K.O.-Kriterium ist, dass das Schiff mit Steinwolle gedämmt ist. Bei einem Stahlschiff könnte das unter Umständen problematisch werden, weil sie Feuchtigkeit speichern kann und dadurch die Gefahr besteht, dass das Boot von Innen rostet. Also ist für uns klar, dass wir uns zum nächsten und letzten Boot aufmachen.

Nach etwa einer Stunde Autofahrt besichtigen wir in Makkum eine Carena 36, ebenfalls aus dem Jahr 1997. Sie steht anscheinend schon länger an Land. Der Umstand, dass das Boot schon mehrere Monaten auf dem Markt war, macht uns zwar stutzig, aber wir wollen uns trotzdem selbst ein Bild davon machen.

Von außen macht das Boot einen guten Eindruck auf uns. Dann gehen wir in den Innenraum und öffnen die Bodenbretter, um in die Bilge zu sehen. Diese ist komplett mit Bauschaum aufgefüllt. Weder Dominik noch wir verstehen den Grund dahinter. Wir können also nicht sehen, wie das Material (Stahl) darunter aussieht.

Zur Information: Die Bilge ist der unterste Raum im Boot, in dem auch eintretendes Wasser zusammenlaufen (und abgepumpt) werden kann. Im besten Fall ist sie also frei von unnötigem Zeug und trocken. Meistens sind in der Bilge auch Wasser- und Dieseltanks verbaut.

Dieser Schaum würde sich also nur mit viel Arbeit beseitigen lassen und erst danach könnten wir den Zustand der Bilge erkennen können – also würden wir mit diesem Boot ein Überraschungsei um 60.000 € kaufen.

Zusammen mit Domi überlegen wir, wie wir weiter machen. Wir beschließen, schwer enttäuscht die Heimreise anzutreten.

Unsere Erkenntnisse aus diesem Trip sind, dass wir in Zukunft kein einziges Wort eines Maklers mehr glauben. Denn auch bei der letzten Besichtigung wurde uns gesagt, dass man nur ein wenig putzen bräuchte und die Reise könnte losgehen. Damit war aus unserer Sicht aber nicht die Reise in den Süden gemeint, sondern eher in die nächste Werft, um einige kosten- und zeitintensive Reparaturen vorzunehmen.

Beide Boote sind übrigens noch immer auf dem Markt. Also war es bestimmt die richtige Entscheidung, sie nicht zu kaufen. Denn die Nachfrage am Bootsmarkt ist aktuell so hoch, wie noch nie zuvor.

Was wir zum Zeitpunkt unserer Heimreise noch nicht wissen ist, dass wir keine zwei Wochen später schon wieder im Zug nach Amsterdam sitzen würden. Aber das kannst du im 2. Teil unserer Bootssuche nachlesen.

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Wir sind Anita & Roman und haben 2021 unser Haus verkauft, um auf ein Segelboot zu ziehen.

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